“Für Geld tun wir doch alles”
Aber die „Rheinpfalz“ ist nicht nur schlecht. Ab und an findet sich auch was Gutes darin. In der Rubrik Das Letzte zum Beispiel, fand sich vor etwa zwei Wochen folgenden Mini-Beitrag. Wirklich das Allerletzte, wie ich finde:
Was sagt man denn dazu? Kann das überhaupt möglich sein? Ich bin skeptisch. Also schnell auf Erento.com gesurft und auch gleich gefunden: In den letzten zwei Wochen ist die Zahl der unter dem Suchbegriff Demonstrant/Promoter gelisteten Leihmenschen deutschlandweit von 306 auf 319 gestiegen. Kein rasanter Zuwachs, aber dennoch: Immer mehr Menschen, schöne Menschen, weiblich, oft Models, gewinnt man den Eindruck, erklären sich dazu bereit, die politischen oder was auch immer für Ziele anderer Menschen zu vertreten. Schlicht und einfach gegen Geld. In Zahlen: für eine Tagespauschale (6 Stunden) von 145 Euro. Manch einer preist sich dabei regelrecht an mit Marketing-Phrasen wie:
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“1A-Demonstrant mieten”
“Ich demonstriere für Sie”
“Demonstrant für alle Fälle”
“Junger, engagierter Demonstrant”
“Demonstrant tolerant und flexibel”
Aber die Leihdemonstranten sind nicht für alles zu haben. Darauf weist eine wohl von Erento vorgegebene Standardformulierung hin, die bei allen Leihdemonstranten zu finden ist: „Ich möchte darauf hinweisen, dass nicht alle Demonstrationsthemen meiner Meinung entsprechen und von diesen möchte ich mich dann auch distanzieren. Diese wären z. B. Demos für den Rechtsextremismus, Diskriminierungen o. ä.“ Immerhin …
Fazit: Die Westeuropäer haben das ideologische Zeitalter hinter sich gelassen. Auch diese Ära ist entzaubert. Angekommen sind wir im real existierenden Kapitalismus. Für Geld kann man alles haben. Auch einen menschlichen Körper, der so tut, als würde er die Ideale des Bezahlenden vertreten, na sagen wir lieber dessen politischen Ziele. Ideale sind ja over and out. Und wer könnte die ideelle Aushöhlung des heutigen Menschen besser auf den Punkt bringen als eben diese Leihdemonstranten?
PS: Dass Erento.com erst seit Weihnachten 2006 besteht, wie die “Rheinpfalz” den “Focus-Campus” zitiert ist schlichtweg falsch. Das Portal besteht seit Januar 2003, hat 4.500 registrierte Vermieter und 178.000 Vermieter. Ein kleiner Blick in die Rubrik “Zahlen und Fakten” hätte gereicht. Läuft Recherche im Studentenmagazin des “Focus Online” immer so? Und die Rheinpfälzer? Die hätte doch auch besser recherchieren können, wenn schon der “Focus-Campus” das nicht kann.
