Voll ins Auge das Glückskeks

Weihnachten naht – Stress lass nach! Am dritten Adventssamstag hechle ich (schon mit den ersten Tüten bepackt) von Geschäft zu Geschäft. Die Stadt: brechend voll. Autos, Abgase und Menschen mit verärgerten und muffigen Gesichtern wohin man nur schaut. Blank liegende Nerven allenthalben – Hektik pur. Das ist die vorherrschende Stimmung, aber es gibt auch Ausnahmen: Wie aus dem Nichts steht die lächelnde Frau vor mir und hält mir eine Tüte hin. Ah, Glückskekse, denk ich, und das jetzt – mitten im größten Stress … Wie nett!

Ihr kennt doch bestimmt alle die hörnchenartigen Glückskekse, die in vielen China-Restaurants ausliegen? In der ungenießbaren Teighülle (man probiert’s nur einmal) verbirgt sich ein kleiner Zettel, auf dem eine Prophezeiung steht, die für den Erstöffner in Erfüllung gehen soll. Mummenschanz, ich weiß, aber manchmal macht man solchen Kram doch gern mit. Oder? Na ich auf jeden Fall. Ich hätte allerdings besser zum Chinesen gehen sollen und mir da eins nehmen. Aber leider …

Glückskeks vom Kredit-Hai
Ich begrüße die Ablenkung von dem allgemeinen Gewusel, lange in den Beutel und ziehe ein Glückskeks raus. Bedanke mich artig und freundlich – fällt schwer im Stress, aber ich schaffe es. Noch im Weggehen reiß ich die Verpackung auf, während ich die Werbung vor dem Laden lese : „easyCredit – DAS kann ich auch“. Der Laden ist neu, denk ich noch. EasyCredit, hmm, und schon geht die Vorurteils-Schublade auf: Kredithaie, Wucherer, Zinstreiber – alles klar. Na egal, ich hab ja keinen Kredit von denen sondern nur ein Glückskeks. Eigentlich ’ne nette Geste für so ’nen Schuppen.

Oh Graus, jetzt kommt’s heraus
Ich breche also voll freudiger Erwartung das Keks auf und schon beim ersten Wort weiß ich, dass ich einer Werbeaktion aufgesessen bin. Eine der schmierigsten und widerwärtigsten Werbeaktionen, die mir in den letzten JAHREN untergekommen ist. Und das will was heißen, denn ich habe in der Regel ein Auge auf Werbung. Auf dem Zettel steht folgender Schwachsinn:

„Finanzielle Angelegenheiten könnten besser aussehen, als Sie erwartet haben. Fragen Sie doch mal bei easyCredit nach!“

Mein erster Impuls ist klar: Ich zerknülle den Mist und blicke mich schon suchend nach der Mülltonne um, während ich vor mich hin fluche. Mit welcher Unverfrorenheit, die hier einen der angenehmen kleinen Divertimenti des Alltags einfach so in den Dreck ziehen für ihren Wucher-Deal. Ich bin enttäuscht, ja sogar wütend - die Toleranzschwelle ist verdammt niedrig vor Weihnachten. Ich überlege kurz, ob ich nicht zurück gehen soll und den Teig samt Verpackung und “Prophezeiung” einfach zurück in die Tüte der Wucher-Tusse (die eben noch nette Dame hat sich in Luft aufgelöst) - oder besser noch - mit Wucht in den Laden werfen soll, Verwünschungen dabei ausstoßend.

Aber dann halte ich doch inne … Ich entknülle den Zettel wieder, glätte ihn und stecke ihn sogar ein. Denn, hehe, ich hab ja neuerdings einen Blog und der schreit schon seit Tagen nach Input! Immerhin zu etwas ist der Schmarrn gut …

Euer Udo

Kein Kommentar

No comments yet

Leave a reply