Archive for Dezember, 2006
Voll ins Auge das Glückskeks
Weihnachten naht – Stress lass nach! Am dritten Adventssamstag hechle ich (schon mit den ersten Tüten bepackt) von Geschäft zu Geschäft. Die Stadt: brechend voll. Autos, Abgase und Menschen mit verärgerten und muffigen Gesichtern wohin man nur schaut. Blank liegende Nerven allenthalben – Hektik pur. Das ist die vorherrschende Stimmung, aber es gibt auch Ausnahmen: Wie aus dem Nichts steht die lächelnde Frau vor mir und hält mir eine Tüte hin. Ah, Glückskekse, denk ich, und das jetzt – mitten im größten Stress … Wie nett!
Ihr kennt doch bestimmt alle die hörnchenartigen Glückskekse, die in vielen China-Restaurants ausliegen? In der ungenießbaren Teighülle (man probiert’s nur einmal) verbirgt sich ein kleiner Zettel, auf dem eine Prophezeiung steht, die für den Erstöffner in Erfüllung gehen soll. Mummenschanz, ich weiß, aber manchmal macht man solchen Kram doch gern mit. Oder? Na ich auf jeden Fall. Ich hätte allerdings besser zum Chinesen gehen sollen und mir da eins nehmen. Aber leider …
Glückskeks vom Kredit-Hai
Ich begrüße die Ablenkung von dem allgemeinen Gewusel, lange in den Beutel und ziehe ein Glückskeks raus. Bedanke mich artig und freundlich – fällt schwer im Stress, aber ich schaffe es. Noch im Weggehen reiß ich die Verpackung auf, während ich die Werbung vor dem Laden lese : „easyCredit – DAS kann ich auch“. Der Laden ist neu, denk ich noch. EasyCredit, hmm, und schon geht die Vorurteils-Schublade auf: Kredithaie, Wucherer, Zinstreiber – alles klar. Na egal, ich hab ja keinen Kredit von denen sondern nur ein Glückskeks. Eigentlich ’ne nette Geste für so ’nen Schuppen.
Oh Graus, jetzt kommt’s heraus
Ich breche also voll freudiger Erwartung das Keks auf und schon beim ersten Wort weiß ich, dass ich einer Werbeaktion aufgesessen bin. Eine der schmierigsten und widerwärtigsten Werbeaktionen, die mir in den letzten JAHREN untergekommen ist. Und das will was heißen, denn ich habe in der Regel ein Auge auf Werbung. Auf dem Zettel steht folgender Schwachsinn:
„Finanzielle Angelegenheiten könnten besser aussehen, als Sie erwartet haben. Fragen Sie doch mal bei easyCredit nach!“
Mein erster Impuls ist klar: Ich zerknülle den Mist und blicke mich schon suchend nach der Mülltonne um, während ich vor mich hin fluche. Mit welcher Unverfrorenheit, die hier einen der angenehmen kleinen Divertimenti des Alltags einfach so in den Dreck ziehen für ihren Wucher-Deal. Ich bin enttäuscht, ja sogar wütend - die Toleranzschwelle ist verdammt niedrig vor Weihnachten. Ich überlege kurz, ob ich nicht zurück gehen soll und den Teig samt Verpackung und “Prophezeiung” einfach zurück in die Tüte der Wucher-Tusse (die eben noch nette Dame hat sich in Luft aufgelöst) - oder besser noch - mit Wucht in den Laden werfen soll, Verwünschungen dabei ausstoßend.
Aber dann halte ich doch inne … Ich entknülle den Zettel wieder, glätte ihn und stecke ihn sogar ein. Denn, hehe, ich hab ja neuerdings einen Blog und der schreit schon seit Tagen nach Input! Immerhin zu etwas ist der Schmarrn gut …
Euer Udo
Umfragen? Nur noch gegen angemessene Bezahlung
Hallo zusammen,
also apropos Umfragen, ne: Ich hatte am Freitag wieder so nen Typen in der Leitung:„JaschönengutenTagwirführengeradeeineUmfragedurchzumThema- BeziehungMenschundTier“– schnauf – „HabenSievielleichtetwaeineMinuteZeitessindnurdreiFragen?“ – schnauf und wart. Ich hatte den Sermon sogar verstanden. Aber ich sagte nichts Böses, nenee, sondern: „Ok, mach ich mit.“ Die Leitung atmet Freude. „Und was bezahlen Sie mir dafür?“ Das typische Hörer-Aus-Der-Hand-Fall-Schweigen - erstmal Ruhe. Er kommt langsam wieder zu sich: „Äh, eine Bezahlung ist nicht vorgesehen, ich weiß ja nicht, wo Sie sonst interviewen, äh sich interviewen lass …“ Er merkt den logischen Hopser und verstummt, fängt neu an. „Also wir können Ihnen, äh, nichts dafür bezahlen.“
Das ist wohl die häufigste Antwort, wenn Sie bei den Interviewern mal nach Kohle fragen. Vielleicht gibt’s in der Fußgängerzone mal drei Euro für eine verplemperte Viertelstunde vor einem Fragebogen mit drei, vier Antworten pro Frage zur Auswahl – da hab ich mal mitgemacht, ich gesteh’s. Warum? Nicht weil ich mal kurz minimal wichtig sein wollte, sondern weil ich grad Zeit hatte und außerdem einfach neugierig war: Wie sieht’s da oben aus, bei den Interviewern und vor allem: Welches Unternehmen steht hinter der Umfrage? Aber das durften die mir natürlich nicht sagen. Irgendein Automobilhersteller muss zwar es gewesen sein, aber was kann ich mit DER Info schon anfangen …
Aber worum’s mir eigentlich geht: Im Grunde ist es völlig irrwitzig dem oder den Typen völlig freiwillig und dazu noch völlig KOSTENLOS ein Interview zu geben. Denn alle Beteiligten verdienen sich doch dumm und dämlich daran. Bis auf den Interviewten natürlich. Da wäre erst einmal das Marketing-Unternehmen, das von den Unternehmen bezahlt wird und zu guter Letzt natürlich die Unternehmen selbst, die dank jeder einzelnen Antwort im Stande sind, manchmal vielleicht sogar ihre Produkte, aber eher noch ihre Werbekampagnen so zu optimieren, dass unbescholtene Bürger ihnen besser auf den Leim gehen. Was sie wiederum einen Haufen Kohle an uns verdienen lässt, weil wir Ihnen die Produkte ja auch noch abkaufen! Also ne, Leute, ich geb nie wieder so ’nem Fritzen am Telefon oder in der Fußgängerzone oder sonstwo ein Interview, außer ich werde angemessen bezahlt. Und was angemessen ist, darf ich natürlich selbst entscheiden, wenn es so weit ist.
Ihr könnt euch denken, dass das Interview mit dem Telefonisten nicht zustande kam. Erstens wollte er, wie gesagt, nichts dafür bezahlen und zweitens das Gespräch auch noch mitschneiden (Immerhin hat er gefragt, ob er das darf.). Das Fazit von der G’schicht’: Schluss mit kostenlosen Interviews! Interviewte aller Länder, vereinigt Euch und verlangt Geld für die Teilnahme an Umfragen!
Das ist eine ganz normale Dienstleistung.
Euer Udo
Alle mal herschauen
Servus zusammen,
wer hätte das gedacht? Noch vor ein paar Wochen, wusste ich noch gar nicht, wie das geht - so ‘n Blog. Immerhin hatt’ ich nen Schimmer, dass es sie gibt, diese famosen Web-Tagebücher. Und jetzt hab ich selbst schon mein zweites …
Aber Einstiegstexte sind - egal wie kurz - immer zu lang. Daher erkläre ich dieses Blog jetzt stanto pede als eröffnet. Und spart nicht mit Kommentaren, sonst wird’s mir ja langweilig so allein hier im Web 2.0.
Euer Udo
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