Auf den Hund gekommen …

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… und glücklich bis in die Haarspitzen drüber. Seit Mitte Januar sind wir zu dritt in der neuen Wohnung. Unser Duo bereichert (definitiv!) die Ridgeback-Hündin Fleur, eine Welpin von jetzt knapp fünf Monaten. Darüber könnt’ ich einiges schreiben: Zum Beispiel über die Reaktionen auf den Namen, die Stubenreinheit, die ulkigen Eigenarten, die eine oder andere schlaflose Nacht (nicht viel anders als bei kleinen Kindern), andere Hundler und ihr Anders-Sein, Futtersorten, Welpenschulen im Vergleich, und, und, und … Vielleicht greif ich ja mal das eine oder andere Thema auf und es wird noch ein Hundeblog da draus, wer weiß …

Fleur entpuppt sich als pflegeleichte und äußerst kluge und einfühlsame Welpin (Man sollte es besser glauben, dass nicht wenige Hundebesitzer von ihrem “besten Freund” behaupten, er wär’ strunzdumm. Ich sag da immer: Der Hund (idem Das Kind …) ist so dumm oder klug, wie man ihn/es macht.).
Was heißt nun pflegeleicht? Das heißt, kurz gesagt, sie folgt schon recht gut und ist oft bemüht, es uns recht zu machen. Anweisungen wie “Hier!”, “Aus!”, “Nein!” finden fast immer Gehör, dabei ist das 22 kg schwere “Tierchen” nur fünf Monate alt! Auch das lästige Ziehen an der Leine ist größtenteils schon eingedämmt. Bisher kläglich versagt haben wir, wenn es ums Hochspringen an fremden Menschen geht. Das ist bei anderen Hundlern vielleicht o.k., die nen fetten Pfotenabdruck auf der frisch gewaschenen Jeans gut wegstecken, aber bei Nicht-Hundlern sieht die Chose völlig anders aus. Der Ernstfall ist zum Glück noch nicht eingetreten. An der Hunde-Haftpflicht sind wir schon wegen der Welpenschule nicht dran vorbei gekommen.

Ein bisschen darf sie uns aber auch auf der Nase herumtanzen, die verwöhnte Göre. Und sie begreift schnell, wann das Limit erreicht ist. Die feinen Unterschiede im Tonfall vermitteln ihr meistens genug, auch ohne Schärfeanteil. Dass sie manchmal nicht so reagieren WILL, wie wir es gern hätten, ist ihr gutes Recht und steht auf einem anderen Blatt. Das ist eine Welpin, die muss sich austoben, ihre Persönlichkeit entwickeln und überhaupt, und nicht zuletzt, ausgiebig schmusen muss sie - und das tut sie :-).

Impuls - die Krankenversicherung mit dem Alien

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Wenn eine Krankenversicherung wirbt, dann sollte die Aktion - aus meiner Sicht - in irgend einer Weise vertrauensstiftend sein. Ich meine: Versicherungen haben ja eh schon so einen schlechten Ruf. Und dann geht es letztlich um ein so wertvolles Gut wie die Gesundheit. Was die Impuls KV sich bei der obigen Kampagne gedacht haben mag, bleibt ihr Geheimnis. Ungemein vertrauenerweckend dieses arische Alien, oder? Brrrrr …

Alles Marken, oder was?

Manchmal stoßen einem ja Dinge zu, von denen man nicht wirklich weiß, ob man sie überhaupt veröffentlichen kann, ja man zaudert sogar sie im Freundeskreis zu erzählen. Schlicht und ergreifend weil das Leben wieder einmal so überdreht daher kommt, wie sich die Phantasie das nie, nie, nie ausdenken kann, ohne unglaubwürdig zu wirken. Und ich will ja nicht dass es dann heißt: Ach, der Udo, der erzählt ja immer nur so’n Schmontzes, so’n erfundenen.

Aber die folgende kabarett-reife Szene ist wirklich passiert und schreit nach Veröffentlichung. Der Ort lässt sich noch genau feststellen: Der Supermarkt Handelshof in Speyer, Auestraße, Zeit: Freitagabend letzter Woche.

Ich suche bei den Milchwaren im Kühlregal nach dem begehrten (Vorsicht, es folgt Werbung!!) Ehrmann, äh, sorry, dem Haselnuss-Joghurt von Ehrmann ((Bitte um) Nachsicht, das war (vermeidbare) Werbung.). Dabei komme ich in den Genuss das Gespräch zweier älterer Damen zu belauschen, die ganz offensichtlich darauf erpicht sind, einer Bekannten einen Gefallen zu tun.
Voll konzentriert auf der Suche nach meinem Lieblingsjoghurt, konnte ich erst gar nicht nachvollziehen, was die Damen meinten und nahm das Gespräch nur halb wahr. Dann erkannte ich aber, dass es sich keineswegs um eine neue schädliche Zutat in Joghurt handelte, also weder um Krokodilpanzerstaub oder -knochenmehl noch um in den Joghurt eingelassene feine Textilfasern, die selbstredend nur dazu dienen, ihm eine optimale und Käufer freundliche Beschaffenheit zu verleihen, die vor allem beim Herauslöffeln oder -leeren ersichtlich wird - ein idealer optischer Marker im Dienste der Kundenbindung. Die Unterhaltung der beiden Damen ging sinngemäß in etwa so:

“Ja, sie hat aber doch gesagt, dass sie diesen lacóste-freien Joghurt gern mag.” (Das “E” am Ende bitte aussprechen.)
“Dann lass uns also mal nach diesem Joghurt ohne Lacóste suchen.”

Kruschteln im Regal, hin und her, ja und nein, dabei fällt das Wörtchen “Lacoste” noch einige Male. Ich werde immer hellhöriger und als ich die Suche nach dem Haselnuss-Joghurt schließlich komplett aufgegeben habe, bin ich voll bei der Suche der Damen dabei, zumindest mit den Ohren :-). Und ich grinse innerlich mittlerweile breitest möglich. Aber der Clou kommt noch:

Eine der beiden Damen greift ins Regal, erwischt einen 500 ml Plastikbecher und beginnt die Beschriftung zu lesen.

“Hier, das ist so einer. Da steht’s: lacóste-frei”, und sie zeigt mit dem Finger auf eine Stelle auf dem Becher.

Jetzt kann mich nichts mehr halten. Lautlos lachend wende ich mich ab und hechte in den anderen Gang um meiner Belustigung freien Lauf zu lassen. Nicht dass sie ihren Fehler noch bemerkt und den spaßigen Irrtum vor meinen Augen auflöst :-). Würde ja den ganzen Spaß zunichte machen.
Ist es zu fassen? Sie hat die richtige Bezeichnung auf dem laktose-freien Joghurt sogar noch gelesen und dennoch ihren Fehler nicht erkannt. Es lebe die Korrekturfunktion des Gehirns, har, har. Besonders auch, wenn Sie solche Fehler korrigiert um der Umwelt einen Lacher zu bescheren :-). Oder gibt es vielleicht wirklich “lacóste-freien” Joghurt? Mist, ich hab nicht daran gedacht, das zu überprüfen… Weiß da jemand mehr?

Einerseits ist der Vorfall ja wirklich lustig, aber bei jedem Spaß gibt es immer auch ein bitterernste Seite. Und hier sehe ich den Hund in der alles beherrschenden Markenwelt begraben. Ich mein’, die Dame kommt ja nicht umsonst von Laktose auf Lacoste, das wir ja - wie alle in der Markenwelt des ausgehenden 20. Jahrhunderts aufgewachsenen - sofort als die “Marke mit dem Krokodil” erkannt haben. In den 80ern so richtig auf der Höhe und dann allenthalben gefälscht und schließlich (wegen der Fälschungen?) wieder in die B-Schublade der Marken abgerutscht. Jetzt stelle man sich einmal vor, die Leute griffen - wie im Fall der “Tempos” beispielsweise schon geschehen - statt der üblichen Bezeichnungen für die Dinge des alltäglichen Lebens zu Markennamen. Also zum Beispiel:

“Boah, ich hab mir heute mal wieder einen Haselnuss-Ehrmann reingezogen.”

Und wenn das so richtig überhand nehmen sollte:

“In Sachen Sports war ich heut in der Allianz(-Arena) und hab mir die T-Homes beim adidassen angevielmannt.”

Uahhhh, Werbeblöcke in der Alltagssprache, schlimm, schlimm. Und wenn es doch so kommen sollte, dann hilft auch kein Bangen und Hoffen. Dann müssen wir einfach auch mit diesem weiteren Schmarrn leben. Es lebe der Kapitalismus, äh der Sozialismus, ach Schmarrn, weder, noch. Willkommen im Zeitalter des Lauwarmen Kriegs der Marken …

Die baumkillende Lochatorin

Am Wochenende hab ich mir endlich mal nen g’scheiten Locher gekauft. Markenware musst’s sein, denn er soll ja was taugen und nicht gleich bei fünf Blättern klemmen und den Dienst verweigern oder nach fünf Monaten quietschen wie ein ungeöltes Gartentor. Ich hab mich für Leitz entschieden. Das gefaltete Blatt Papier, dass aus der Verpackung fiel hab ich zuerst gar nicht geachtet. Dabei wäre mir fast diese rattenscharfe Werbung für Leitz entgangen, zu der sich jeglicher Kommentar erübrigt:

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Mit dem Industrie-Locher 5182 im Anschlag. Damit lassen sich laut dem Bürowaffenhersteller Leitz bis zu 250 Blatt auf einen Schuss, äh Schlag löchern. Ein echter Genozid-Locher also. Ich hab’ im Vergleich dazu nur ein kleinkalibriges Modell erstanden.

Der Klimawandel wird teuer, …

… um die 800 Milliarden Euro bis 2050, meint das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Rechner des Wirtschaftsinstituts sind aus meiner Sicht extrem blauäugig, aber nun gut. Sie streuen eben auch ihre Version der kommenden Klimakatastrophe.

Und dennoch glaubt auch diese Studie, dass vieles so bleiben wird, wie es ist. Manche Branchen würden sogar vom Klimawandel profitieren, heißt es in der “Rheinpfalz” von gestern, dem 15. März 2007. Man könnte sich schlapp lachen, wenn’s nicht so ernst wäre. Eine davon ist angeblich der Nordsee-Tourismus, wegen der angenehmeren Temperaturen an der Küste. Dazu blendet die liebe “Rheinpfalz” ein unschuldigstes Bildchen ein, mit Strandkörben und Menschen in der Wattidylle. Und mir bleibt wieder mal die Spucke weg.

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Schon mal was vom Abschmelzen der Polkappen und steigendem Meeresspiegel gehört? Nö, offenbar nich’ in der “Rheinpfalz”. Denn im dazu gehörigen Artikel steht kein Wort über den erforderlichen Deichbau. Die Studie erwähnt diese Verstärkung der vorhandenen Konstruktionen aber sehr wohl. Damit entsteht im “Pälzer Blättl” massiv der falsche Eindruck, dass an der Küste im Norden alles so bleibt, wie es ist. Bis auf die angenehmeren Temperaturen, natürlich.

Dabei ließe sich schwarzseherisch weiterspekulieren, was alles passieren könnte, wenn die frisch aufgeworfenen Deichkuppen dem Druck der See nicht standhalten. Bei den ebenfalls angekündigten schweren Wirbelstürmen ist dies doch ein durchaus plausibles Szenario. New Orleans - war da was? Und wo wird danach die Nordseeküste sein? In Hannover vielleicht, oder gar in Kassel? Nur immer weiter alles schön reden. Dann wird’s schon nicht so schlimm werden …

“Für Geld tun wir doch alles”

Aber die „Rheinpfalz“ ist nicht nur schlecht. Ab und an findet sich auch was Gutes darin. In der Rubrik Das Letzte zum Beispiel, fand sich vor etwa zwei Wochen folgenden Mini-Beitrag. Wirklich das Allerletzte, wie ich finde:

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Was sagt man denn dazu? Kann das überhaupt möglich sein? Ich bin skeptisch. Also schnell auf Erento.com gesurft und auch gleich gefunden: In den letzten zwei Wochen ist die Zahl der unter dem Suchbegriff Demonstrant/Promoter gelisteten Leihmenschen deutschlandweit von 306 auf 319 gestiegen. Kein rasanter Zuwachs, aber dennoch: Immer mehr Menschen, schöne Menschen, weiblich, oft Models, gewinnt man den Eindruck, erklären sich dazu bereit, die politischen oder was auch immer für Ziele anderer Menschen zu vertreten. Schlicht und einfach gegen Geld. In Zahlen: für eine Tagespauschale (6 Stunden) von 145 Euro. Manch einer preist sich dabei regelrecht an mit Marketing-Phrasen wie:

    “1A-Demonstrant mieten”
    “Ich demonstriere für Sie”
    “Demonstrant für alle Fälle”
    “Junger, engagierter Demonstrant”
    “Demonstrant tolerant und flexibel”

Aber die Leihdemonstranten sind nicht für alles zu haben. Darauf weist eine wohl von Erento vorgegebene Standardformulierung hin, die bei allen Leihdemonstranten zu finden ist: „Ich möchte darauf hinweisen, dass nicht alle Demonstrationsthemen meiner Meinung entsprechen und von diesen möchte ich mich dann auch distanzieren. Diese wären z. B. Demos für den Rechtsextremismus, Diskriminierungen o. ä.“ Immerhin …

Fazit: Die Westeuropäer haben das ideologische Zeitalter hinter sich gelassen. Auch diese Ära ist entzaubert. Angekommen sind wir im real existierenden Kapitalismus. Für Geld kann man alles haben. Auch einen menschlichen Körper, der so tut, als würde er die Ideale des Bezahlenden vertreten, na sagen wir lieber dessen politischen Ziele. Ideale sind ja over and out. Und wer könnte die ideelle Aushöhlung des heutigen Menschen besser auf den Punkt bringen als eben diese Leihdemonstranten?

PS: Dass Erento.com erst seit Weihnachten 2006 besteht, wie die “Rheinpfalz” den “Focus-Campus” zitiert ist schlichtweg falsch. Das Portal besteht seit Januar 2003, hat 4.500 registrierte Vermieter und 178.000 Vermieter. Ein kleiner Blick in die Rubrik “Zahlen und Fakten” hätte gereicht. Läuft Recherche im Studentenmagazin des “Focus Online” immer so? Und die Rheinpfälzer? Die hätte doch auch besser recherchieren können, wenn schon der “Focus-Campus” das nicht kann.

Klasse! Ich bin überheblich

Ein Geständnis zum Start: Ich bin Abonnent der „Rheinpfalz“. Das ist eine regionale Tageszeitung wie vielleicht jede andere regionale Tageszeitung auch. Aber ich komme lieber gleich zum Punkt: Es geht um einen Kommentar, ich glaube vom Montag dieser Woche aus genanntem Blatt, gern von der Redaktion selbst, verspielt und im Versuch anheimelnd zu sein, RP genannt. Betitelt ist besagter Kommentar mit „Verfehlte Kritik“, Motto „Fernsehen nah gesehen“. Gelungenes Wortspiel, oder? Nein, nicht „Verfehlte Kritik“, Zweiteres.

Die Autorin Manuela Müller-Roth vertritt eine Meinung, die sie uns gleich im Vorspann klipp und klar kundtut: Fernsehen, das Arbeitslosen und Älteren ein Stück der Welt ins Wohnzimmer bringt, pauschal zu kritisieren, ist überheblich. Alles klar? Na, vielleicht doch noch nicht so ganz. Nur eines ist sicher: Der Beitrag schlägt sich ganz klar auf die Seite der Arbeitslosen und „Älteren“. Toll, sag ich, das bräuchten wir öfter in den Medien. Aber es bleiben die Fragen: Welcher Art ist das gemeinte, zu Unrecht pauschal abgefertigte Fernsehen? Geht’s hier um Sendungen à la „Musikantenstadl“, um Seifenopern und Nachmittags-Talk? Und vor allem: Wer sind die überheblichen Zeitgenossen? Ist hier jemand Bestimmtes gemeint und wird der vielleicht später noch genannt?

Also gut, ich will das wissen. Und lese weiter: Solange es Fernsehen gibt, gibt es auch seine Kritiker. Stimmt. Und je mehr Fernsehen geboten wird, umso größer wird diese Spezies. Ahhh, Hilfe, die Fernsehkritiker als Spezies sind Genmutationen unterworfen oder ein Opfer von Turbo-Hormonnahrung und werden immer größer. Ab diesem Satz sollte ich eigentlich aufhören zu lesen, denn das kann kaum noch schlechter werden. Oder, hehe, ich geh die Sache ganz anders an und betrachte dieses Glas als halb voll, und zwar halb voll mit Perlen. Eine Einladung zum Zerpflücken. Gebongt!

Natürlich ist nicht alles grundsätzlich informativ oder unterhaltend, was so über die Bildschirme flimmert. Aha, sieh da, bis hierher und nicht weiter: Die Autorin ergreift zwar Partei für Arbeitslose und Ältere, aber sie zählt sich nicht dazu. Naja, nen Job hat sie ja und man lese und staune, sogar als Leiterin der kleinen Sparte „Zeitgeschehen“ bei der RP!

Was aber der eine gut, der andere schlecht findet, muss jeder für sich selbst entscheiden – und er sollte dann auch den Mut haben, zu seiner Meinung zu stehen. Wie schon weiter oben, drängt sich einem der Gedanke auf, dass hier jemand Bestimmtes gemeint ist, vielleicht ein Kollege oder Bekannter. Wir erfahren daraufhin, dass diese schamlose Person sich ungeniert die „Lindenstraße“ reinzieht und Castingshows dazu – bähh, igitt – um dies anschließend skrupellos zu leugnen. Denn: Wenn gefragt wird, sieht kein Mensch die „Lindenstraße“ … und doch sind es jedes Mal Millionen. Mhhh, es könnte doch aber sein, dass Frau Müller-Roth einfach den oder (vielleicht waren es sogar wirklich mehrere) die Falschen gefragt hat. Na, schwamm drüber …

Daraufhin folgt im Kommentar ein längerer Infoblock, der uns Zahlen liefert. Die Deutschen sehen demzufolge gar nicht so viel fern - nur 227 Minuten pro Tag im Durchschnitt! Kawumm, das sind knapp vier Stunden pro Tag, Frau Müller-Roth. Aber hallo, das ist jede Menge! Mehr geglotzt wird in den USA (299), Italien (249) und Großbritannien (235). Nur in Japan (219) und Frankreich (214) wird weniger ferngesehen. Mhh, es scheint sich um ein Ranking der Industrienationen zu handeln. Die Quelle wird allerdings nicht genannt. Aber wollen wir mal nicht so sein, das ist schließlich ein Kommentar ohne viel Raum im Blatt. Der sich zudem auf keinen Bericht bezieht. Na, schwamm drüber …

Und dann, neuer Absatz: Zahlen, die Durchschnittswerte sind. Ach nee, wirklich? Das hatten wir zwar zu Beginn der Aufzählung schon erfahren und hätten es uns zur Not auch gedacht. Statt dieses Satzes hätte man vielleicht die Statistik-Quelle nennen können. Wär’ ein guter Ersatz, find ich, einfach interessehalber. Na, schwamm drüber …

Diesen verkrüppelten Satz aber verwendet die Autorin als Überleitung zum lesenswerten Endspurt. Hier werden zwei Fernsehzielgruppen elegant herausgerechnet, zum einen die Kids, die mittlerweile zu Computer und Internet abgedriftet sind. (Und wer bitte guckt Cartoons, Casting-Shows, Teenie-Serien, Nachmittags-Talk MTV, Viva und wie die ganzen Musik-Sender heißen?) Zum anderen die berufstätige Bevölkerung. O.k., nachvollziehbar.

Und jetzt kommt der Clou: Wer also sind die Vielseher? Es sind Arbeitslose und vor allen Dingen ältere Menschen, die sich ein Stück Welt via Bildschirm ins Wohnzimmer holen. Für viele ist es die einzige Möglichkeit, Informationen und Unterhaltung zu bekommen. Deshalb ist es überheblich, ein Massenmedium pauschal zu kritisieren, und statt Masse nur Klasse zu fordern.

Erstens: Mir kommen gleich die Tränen. Zweitens: Soso, die Masse bekommt also genau das Fernsehen, das sie verdient. Recht so. Für die ist doch der ganze Schund der da so auf und ab in der Glotze läuft wie geschaffen. Die brauchen keine Klasse, wissen sie wahrscheinlich eh gar nicht zu schätzen. Die sollen ruhig auf ihrem Niveau bleiben. Vielleicht könnten sie durch gutes Fernsehen ja aufgerichtet oder gar motiviert werden etwas anzupacken, was Ihnen vielleicht mehr Erfüllung bringt, als sich tagtäglich stundenlang mit medialem Schrott berieseln zu lassen.

Wir haben also ein Fernsehen für Arbeitslose und Ältere und dafür bezahlen wir dann auch noch fleißig Rundfunkgebühren. Damit Berufstätige, wenn sie zwischendurch mal einen Fernsehabend einlegen möchten nur noch frustriert von Sender zu Sender zappen und schließlich angewidert die Röhre abschalten. Und dennoch: Fordern wir Masse statt Klasse. Ich bin baff, Frau Müller-Roth, völlig sprachlos … Wie kann sich eine leitende Redakteurin der Sparte „Zeitgeschehen“ derart unqualifiziert zur Anwältin der medialen Verblödung erheben?

Mein übler Muskelkater vom exzessiven Drüberschwimmen über die inhaltlichen und formalen Pannen dieses Blattes dürfte sich aber bald bessern. Ich habe die RP gekündigt.

Der Kommentar in seiner ganzen Pracht

EasyCredit – wer steckt dahinter?

Die Methoden von easyCredit und die Tatsache, dass der Laden da wie ein Pilz aus dem Boden geschossen war, haben mich neugierig gemacht. Also hab ich mal die Recherche-Maschine angeschmissen und folgendes herausgefunden:

Hinter easyCredit steckt die norisbank AG, mit Sitz in Nürnberg. Die norisbank AG ist die erste Bank die – seit 2000 – im Internet Kredite mit einer Online-Sofortzusage verkauft, eben easyCredit. 2005 hat sie das Kreditgeschäft völlig von den anderen Bankgeschäften losgelöst und ihre Kredite über Fachgeschäfte in Einkaufszentren und Innenstädten angeboten. Außerdem vertreiben über 900 Volksbanken und Raiffeisenbanken äußerst erfolgreich den easyCredit: seit zwei Jahren wächst das Produkt zweistellig beim Neugeschäft.

38 neue easyCredit-Filialen auf einen Schlag

Am 16. Oktober 2006 setze eine aggressive Expansionspolitik von easyCredit ein. An diesem Tag kündigte der „Noch-Besitzer“, die norisbank AG, die Eröffnung von 38 neuen easyCredit-Filialen. Bereits 2007 sollen insgesamt über einhundert Standorte erschlossen sein. Was war passiert? Woher plötzlich das viele Geld für die neuen Filialen und diese starke Ausrichtung aufs Ratenkreditgeschäft?

Die DZ Bank, Besitzer der norisbank AG, hat im Sommer 2006 alle Filialen und rund 335.000 Bankkunden sowie den Namen norisbank an die Deutsche Bank veräußert. Zum stattlichen Preis von 420 Millionen Euro. Das Kernprodukt der norisbank aber, der easyCredit, verbleibt im Besitz der DZ Bank. Plötzlich ist also jede Menge Geld im Säckel und das kann ungehindert in die Expansion von easyCredit fließen, auch ins Ausland.

Europa mit Krediten überziehen
Bereits in diesem Jahr will die DZ Bank erste Entscheidungen treffen, in welchen Ländern sie damit an den Start geht. Polen, Tschechien und Österreich kämen für die Internationalisierung in die engere Wahl. Nach den Worten von Norisbank-Vorstandschef Theophil Graband kostet eine easyCredit-Filiale 100.000 bis 150.000 Euro. Dann ist aus der Verkaufssumme für die norisbank-Filialen ja noch einiges für neue Standorte frei …

Die Financial Times Deutschland bestätigt, dass sich die DZ Bank verstärkt im wachsenden Geschäft mit Ratenkrediten profilieren will. Genauso wie die Deutsche Bank, die Dresdner Bank sowie die ebenfalls auf Wachstum bedachten Ratenkredit-„Platzhirsche“ Citibank und Santander Consumer. “Box!”

Euer Udo

Voll ins Auge das Glückskeks

Weihnachten naht – Stress lass nach! Am dritten Adventssamstag hechle ich (schon mit den ersten Tüten bepackt) von Geschäft zu Geschäft. Die Stadt: brechend voll. Autos, Abgase und Menschen mit verärgerten und muffigen Gesichtern wohin man nur schaut. Blank liegende Nerven allenthalben – Hektik pur. Das ist die vorherrschende Stimmung, aber es gibt auch Ausnahmen: Wie aus dem Nichts steht die lächelnde Frau vor mir und hält mir eine Tüte hin. Ah, Glückskekse, denk ich, und das jetzt – mitten im größten Stress … Wie nett!

Ihr kennt doch bestimmt alle die hörnchenartigen Glückskekse, die in vielen China-Restaurants ausliegen? In der ungenießbaren Teighülle (man probiert’s nur einmal) verbirgt sich ein kleiner Zettel, auf dem eine Prophezeiung steht, die für den Erstöffner in Erfüllung gehen soll. Mummenschanz, ich weiß, aber manchmal macht man solchen Kram doch gern mit. Oder? Na ich auf jeden Fall. Ich hätte allerdings besser zum Chinesen gehen sollen und mir da eins nehmen. Aber leider …

Glückskeks vom Kredit-Hai
Ich begrüße die Ablenkung von dem allgemeinen Gewusel, lange in den Beutel und ziehe ein Glückskeks raus. Bedanke mich artig und freundlich – fällt schwer im Stress, aber ich schaffe es. Noch im Weggehen reiß ich die Verpackung auf, während ich die Werbung vor dem Laden lese : „easyCredit – DAS kann ich auch“. Der Laden ist neu, denk ich noch. EasyCredit, hmm, und schon geht die Vorurteils-Schublade auf: Kredithaie, Wucherer, Zinstreiber – alles klar. Na egal, ich hab ja keinen Kredit von denen sondern nur ein Glückskeks. Eigentlich ’ne nette Geste für so ’nen Schuppen.

Oh Graus, jetzt kommt’s heraus
Ich breche also voll freudiger Erwartung das Keks auf und schon beim ersten Wort weiß ich, dass ich einer Werbeaktion aufgesessen bin. Eine der schmierigsten und widerwärtigsten Werbeaktionen, die mir in den letzten JAHREN untergekommen ist. Und das will was heißen, denn ich habe in der Regel ein Auge auf Werbung. Auf dem Zettel steht folgender Schwachsinn:

„Finanzielle Angelegenheiten könnten besser aussehen, als Sie erwartet haben. Fragen Sie doch mal bei easyCredit nach!“

Mein erster Impuls ist klar: Ich zerknülle den Mist und blicke mich schon suchend nach der Mülltonne um, während ich vor mich hin fluche. Mit welcher Unverfrorenheit, die hier einen der angenehmen kleinen Divertimenti des Alltags einfach so in den Dreck ziehen für ihren Wucher-Deal. Ich bin enttäuscht, ja sogar wütend - die Toleranzschwelle ist verdammt niedrig vor Weihnachten. Ich überlege kurz, ob ich nicht zurück gehen soll und den Teig samt Verpackung und “Prophezeiung” einfach zurück in die Tüte der Wucher-Tusse (die eben noch nette Dame hat sich in Luft aufgelöst) - oder besser noch - mit Wucht in den Laden werfen soll, Verwünschungen dabei ausstoßend.

Aber dann halte ich doch inne … Ich entknülle den Zettel wieder, glätte ihn und stecke ihn sogar ein. Denn, hehe, ich hab ja neuerdings einen Blog und der schreit schon seit Tagen nach Input! Immerhin zu etwas ist der Schmarrn gut …

Euer Udo

Umfragen? Nur noch gegen angemessene Bezahlung

Hallo zusammen,

also apropos Umfragen, ne: Ich hatte am Freitag wieder so nen Typen in der Leitung:„JaschönengutenTagwirführengeradeeineUmfragedurchzumThema- BeziehungMenschundTier“– schnauf – „HabenSievielleichtetwaeineMinuteZeitessindnurdreiFragen?“ – schnauf und wart. Ich hatte den Sermon sogar verstanden. Aber ich sagte nichts Böses, nenee, sondern: „Ok, mach ich mit.“ Die Leitung atmet Freude. „Und was bezahlen Sie mir dafür?“ Das typische Hörer-Aus-Der-Hand-Fall-Schweigen - erstmal Ruhe. Er kommt langsam wieder zu sich: „Äh, eine Bezahlung ist nicht vorgesehen, ich weiß ja nicht, wo Sie sonst interviewen, äh sich interviewen lass …“ Er merkt den logischen Hopser und verstummt, fängt neu an. „Also wir können Ihnen, äh, nichts dafür bezahlen.“

Das ist wohl die häufigste Antwort, wenn Sie bei den Interviewern mal nach Kohle fragen. Vielleicht gibt’s in der Fußgängerzone mal drei Euro für eine verplemperte Viertelstunde vor einem Fragebogen mit drei, vier Antworten pro Frage zur Auswahl – da hab ich mal mitgemacht, ich gesteh’s. Warum? Nicht weil ich mal kurz minimal wichtig sein wollte, sondern weil ich grad Zeit hatte und außerdem einfach neugierig war: Wie sieht’s da oben aus, bei den Interviewern und vor allem: Welches Unternehmen steht hinter der Umfrage? Aber das durften die mir natürlich nicht sagen. Irgendein Automobilhersteller muss zwar es gewesen sein, aber was kann ich mit DER Info schon anfangen …

Aber worum’s mir eigentlich geht: Im Grunde ist es völlig irrwitzig dem oder den Typen völlig freiwillig und dazu noch völlig KOSTENLOS ein Interview zu geben. Denn alle Beteiligten verdienen sich doch dumm und dämlich daran. Bis auf den Interviewten natürlich. Da wäre erst einmal das Marketing-Unternehmen, das von den Unternehmen bezahlt wird und zu guter Letzt natürlich die Unternehmen selbst, die dank jeder einzelnen Antwort im Stande sind, manchmal vielleicht sogar ihre Produkte, aber eher noch ihre Werbekampagnen so zu optimieren, dass unbescholtene Bürger ihnen besser auf den Leim gehen. Was sie wiederum einen Haufen Kohle an uns verdienen lässt, weil wir Ihnen die Produkte ja auch noch abkaufen! Also ne, Leute, ich geb nie wieder so ’nem Fritzen am Telefon oder in der Fußgängerzone oder sonstwo ein Interview, außer ich werde angemessen bezahlt. Und was angemessen ist, darf ich natürlich selbst entscheiden, wenn es so weit ist. :-)

Ihr könnt euch denken, dass das Interview mit dem Telefonisten nicht zustande kam. Erstens wollte er, wie gesagt, nichts dafür bezahlen und zweitens das Gespräch auch noch mitschneiden (Immerhin hat er gefragt, ob er das darf.). Das Fazit von der G’schicht’: Schluss mit kostenlosen Interviews! Interviewte aller Länder, vereinigt Euch und verlangt Geld für die Teilnahme an Umfragen! :-) Das ist eine ganz normale Dienstleistung.

Euer Udo

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